Die Maske – Perspektive ist alles

Die Maske schmückt seit einiger Zeit nicht mehr nur die Titelseiten aller Zeitungen, sondern nun auch unser Gesicht. Die weitreichende Maskenpflicht hat nicht nur bei Corona-Verweigerern Unbehagen ausgelöst. Trotzdem scheint sich der Durchschnittsbürger unterdessen an das neue Accessoire gewöhnt zu haben.

Geschäfte, die bisherige Lockdowns überstanden haben, haben die Maske dankbar in ihr Sortiment aufgenommen, ganz unabhängig davon, ob sie nun auf Gemüse oder Schuhsohlen spezialisiert sind. Tatsächlich ist die Maske bereits zum Modeartikel geworden. Es gibt sie in allerlei Farben und Mustern, ausgefallen, schlicht oder irritierend, für jeden Geschmack ist bestimmt eine passende zu finden.

Bei Einführung der verschärften Massnahmen haben vermutlich noch die negativen Eigenschaften der Maske in den Köpfen der Schweizer überwogen. Wir fühlten uns beträchtlich eingeschränkt in unserer Atemfreiheit, um nicht zu sagen in unserer Bewegungsfreiheit. Brillenträger haben ganz besonders unter der Massnahme gelitten. Ausserdem fielen missbilligende Blicke, sollte sich ein Maskenverweigerer die eingeschränkte Freiheit aller Maskierten zu Nutze gemacht haben.

Nichtsdestotrotz durften wir unterdessen auch einige atemberaubende Vorteile der Maske entdecken. Kennen wir nicht alle diesen einen Moment des Schreckens, wenn unser unliebster Nachbar, dessen Lieblingsgesprächspartner wir sind, in denselben Zug steigt? Im Normalfall würde unser schlechtes Gewissen anklopfen und uns darüber aufklären, dass es erstens sehr unfreundlich und zweitens sehr offensichtlich ist, wenn wir ihn per Zufall nicht erkennen. Jedoch: Die Maske machts möglich. Des Weiteren: Unangebrachte Gesichtsausdrücke können leichter versteckt werden, es kann ungestört über andere Passanten gegrinst werden und dank Zug- und Tramgeräuschen kann sogar hemmungslos und unbemerkt ein Selbstgespräch geführt werden.

Die Tendenz ist eindeutig: Sollte die Maskenpflicht in öffentlichen Räumen eines Tages wieder abgeschafft werden, wird sie uns auf jeden Fall fehlen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und nun hat er sich an die Maske gewöhnt. Alle hoffen darauf, die verlorenen Freiheiten zurückzugewinnen, doch mindestens währen den ersten Tagen und Wochen wird es sich ungewohnt anfühlen.

Abgesehen davon sollten wir uns fragen, ob wir denn auch ohne Maske unser Gesicht wirklich zeigen. Oder hatten wir vielleicht schon eine Maske auf, bevor sie zur Vorschrift wurde?

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