Die beiden Brüder Claudius und Lucas Knecht aus Zürich gründen 2020 das Schweizer Start-up Sohotree. Ihr Modelabel steht für Nachhaltigkeit, Design und verantwortliches Handeln. Sohotree verkauft nachhaltige Produkte wie Portemonnaies und Handyhüllen. Designt werden die Produkte in der Schweiz, produziert wird das «Ledermaterial aus Äpfeln» in Italien.
Alles beginnt im Jahr 2018, als Lucas in seinen Ferien in Italien der Lederrucksack gestohlen wird. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich er und sein Bruder Claudius in der Region Parma. Lucas beginnt Ausschau nach einem neuen Rucksack zu halten. Während seiner Suche beginnen sich die Brüder tiefer mit Lederwaren und damit verbunden der Fleischproduktion zu befassen. Ihre Recherchen schockieren sie. Den modebewussten Brüdern gefielen die verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten von Echtleder und Kunstleder schon immer. Sie realisierten jedoch: Ethisch und ökologisch sind Lederprodukte nicht.

Das Problem: Leder ist edel aber schädlich
Leder gilt in der Modeindustrie als edles und qualitativ hochstehendes Material. Die Schäden für die Umwelt werden oft ausgeblendet. Vierzig Prozent der auf der Welt geschlachteten Tiere werden für die Lederproduktion verwendet. Die Häute müssen intakt bleiben und die Fleischindustrie kann die benötigte Qualität nicht liefern. Jährlich werden dafür ungefähr eine Milliarde Tiere getötet. Die meisten davon stammen aus China.
Durch den chemischen Stoff Chrom III werden ungefähr neunzig Prozent des weltweit hergestellten Leders haltbar und widerstandsfähig gemacht. Während dem Gerbprozess kann es durch Fehler dazu kommen, dass sich Chrom III in das hochgiftige Chrom VI umwandelt. Oft wird die Umwelt in der Nähe von Gerbereien vergiftet. Gewissen Regionen fehlt das Geld, um Chrom und andere Chemikalien sachgemäss zu entsorgen. Diese Stoffe gelangen anschliessend in die Böden, Flüsse und letztendlich in die Nahrungsmittelkette.
Arbeiter*innen sind diesen Giftstoffen oft ohne Schutzmassnahmen ausgeliefert. Infolge der mangelnden Massnahmen erhöhen sich verschiedene Risiken wie Krebs oder Atemwegserkrankungen und das Immunsystem kann deutlich geschwächt werden.
Veganes Leder wird meist aus Plastik hergestellt, was ebenfalls schädlich für unseren Planeten ist. Die Ökobilanz von Kunstleder ist genauso schlecht wie die des echten Leders.
Die Suche nach einer Alternative
Das Brüder-Duo aus Zürich will die Situation verbessern. Der bestehende Markt von nachhaltigen Lederprodukten entspricht nicht ihrem Geschmack. Sie empfinden das Angebot als bieder und Ihnen fehlt die Qualität und das ästhetische Design. Die Knecht-Brüder nehmen die Dinge selbst in die Hand und begeben sich auf die Suche nach einem pflanzlichen Material, welches die Umwelt nicht belastet und gleichzeitig optisch überzeugt. Ihre Recherchen führen sie zum Apfelbaum.
Die Lösung: ApplePeel
Um aus Äpfeln veganes Leder herzustellen braucht es keine frischen Äpfel. Im Norden von Italien werden jährlich bis zu einer Million Liter Apfelsaft produziert. Übrig bleiben Schale, Kerne und Stängel. Diese Rückstände werden dann gesammelt, getrocknet, zu Pulver gemahlen und von einem Unternehmen in Florenz mit einem biologischen Kunststoffersatz gemixt. Anschliessend wird das Material, welches mit einer Baumwollbasis beschichtet ist, in verschiedene Strukturen und Farben geformt. Das entstandene Material ist robust, nachhaltig und wasserabweisend.

Sohotree
SOHO steht für urbanes Design. Dies spielt auf das Stadtviertel Soho in Manhattan in New York oder auch auf einen Bereich der City of Westminster in London an, welches ursprünglich ein modisches Viertel für die Aristokratie war. TREE steht für die Natur und Nachhaltigkeit. Sohotree ist ein luxuriöses Modelabel, welches bezüglich Qualität und modernem Design keine Kompromisse eingeht und gleichzeitig weder Tieren, Mensch noch Umwelt schadet.

Ein Blick in die Zukunft
Das Herausforderndste bisher war der Umstand, dass Sohotree im März 2020 während dem Lockdown gegründet wurde. Aufgrund dessen waren Claudius und Lucas dazu gezwungen, bezüglich der Produktion, dem Transport und den Handelsrouten viel zu improvisieren. Das alles hat sie jedoch nicht entmutigt oder gar von ihrem Vorhaben abgehalten. Ihre Hauptziele für dieses Jahr sind der Ausbau der Produktvielfalt sowie die Expansion in die EU und die USA.
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