Die drei marokkanischen Fotograph*innen Fatima Zohra Serri, Ismail Zaidy und Mous Lambrabat räumen durch ihre Fotografie mit Vorurteilen gegenüber ihrem Land und ihrer Kultur auf. Traditionell trifft modern, konservativ trifft aufgeklärt und die arabische Welt trifft auf die westliche Welt. Sie zeigen Gegensätze, die vereint werden können und schlagen Brücken, die vorher unsichtbar waren.
Fatima Zohra Serri
Die 23-jährige Fatima Zohra Serri wuchs in einer ländlichen Region im Norden vom Marokko mit konservativen Werten auf. Sie schlug den Berufsweg als Buchhalterin ein und machte ihre Leidenschaft für die Fotografie zum Hobby. Zuerst war dies eine gelegene Möglichkeit, dem Alltag für eine kurze Zeit zu entfliehen. Mit der Zeit veränderten sich ihre Fotos und zeigen heute eine bewusste Stellungnahme zu den Frauenrechten in Marokko. Noch immer leiden Frauen unter kulturellen Tabus, sexistischen Diskriminierungen und einer fehlenden Gleichstellung in der Familie, Ehe und Erbschaft.
«Break the silence, stop the violence. Make art to speak for women who suffer.» Dies ist die Bildunterschrift zu einem von Serris kontroversesten Fotos. Darauf ist eine junge Frau in schwarze Kleider gehüllt zu sehen, welche auf einem persischen Teppich liegt. Ihr Mund ist von ihren Fingern und ihre Augen von einer blutigen Binde verdeckt.
Mit diesem Bild wollte sie die Gewalt gegen Frauen verkörpern. Ausserdem ist die Periode in Marokko immer noch ein sensibles Tabuthema. Ihre Familien und Freund*innen unterstützen sie in ihrer Arbeit. Insbesondere viele stark religiöse Menschen bezeichnen ihre Bilder jedoch als unangemessen. Auch Frauen äusserten sich negativ in Bezug auf das ebengenannte Foto. Es enttäuschte und verwirrte Serri, dass gerade Frauen keine Unterstützung zeigten. Dies hält sie aber nicht davon ab, weiterhin die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen durch ihre Kunst sichtbar zu machen.
Ismail Zaidy
Als junger Fotograf nutzt Ismail Zaidy die Chance, welche die moderne Technologie mit sich bringt und nimmt alle seine Fotos mit seinem Samsung Galaxy S5 auf. Aufgrund seiner beschränkten Ausrüstung begann er mit minimalistischer und abstrakter Fotografie zu experimentieren. Mit seinen zeitgenössischen marokkanischen Bildern möchte er Stereotypen und Vorurteile über sein Land beseitigen. Er kombiniert traditionelle Kleidungsstücke wie der Hijab und Djellaba mit kräftigen und sanften Pastellfarben, die einen Kontrast zu Hintergrund und Umgebung erzeugen.
Viele seiner Figuren tragen gesichtsbedeckende Stoffe. Zaidy erklärte Nataal, dass er entdeckte, dass er denselben Effekt einer Emotion erzeugen kann auch ohne das Gesicht einer Person zu zeigen.
Mous Lambrabat
Mous Lambrabat hat sich sein eigenes «Mousganistan» erschaffen. Es zeigt die Welt, in der er lebt: Ein Leben gefangen in verschiedenen Kulturen und Identitäten. Geboren in Marokko und aufgewachsen in Belgien ist sein Leben und Arbeiten marokkanisch, berberisch, afrikanisch, europäisch und muslimisch geprägt. «Wenn man zwischen den Kulturen lebt, hat man das Gefühl, sich entscheiden zu müssen, und manchmal fühlt man sich wie ein Aussenseiter«, sagte er zu CNN style. «Deshalb habe ich mit dieser Mousganistan-Sache angefangen, weil wir nicht wählen müssen. Und wenn man beides hat und zwischen beidem navigieren kann, dann macht einen das einzigartig.»
Einzigartig kombiniert er Gucci mit Burka, Nike mit Djellaba und marokkanische Pfannkuchen mit Pommes-Frites-Schachteln von McDonalds.
Seine Bilder sind skurril, kitschig und nostalgisch. Dennoch schaffen sie etwas, was mit Worten schwer zu fassen ist: eine Brücke zwischen verschiedenen Identitäten.
Photo Credit: Ismail Zaidy Photo Credit: Ismail Zaidy Photo Credit: Ismail Zaidy Photo Credit: Ismail Zaidy Photo Credit: Ismail Zaidy Photo Credit: Ismail Zaidy Photo Credit: Ismail Zaidy Photo Credit: Ismail Zaidy Photo Credit: Ismail Zaidy Photo Credit: Ismail Zaidy