Am 17. Oktober 2020 wurde die neuseeländische Ministerpräsidentin Jacinda Ardern gewählt. Sie ernannte Nanaia Mahuta zur Aussenministerin. Mahuta ist die erste weibliche und indigene Person, die dieses Amt als Aussenministerin besetzt. Sie trägt eine traditionelle Māori-Tätowierung am Kinn. Durch ihre Wahl wird das Bewusstsein über die indigene Bevölkerung in Neuseeland gestärkt.
Vor drei Wochen erlangte Ministerpräsidentin Jacinda Ardern von Neuseeland mit einem absoluten Mehr ihrer Mitte-Links-Arbeiterpartei einen deutlichen Wahlsieg. Am Montag, 2. November, ernannte sie Nanaia Mahuta zur Aussenministerin. Mahuta ist die erste weibliche und indigene Aussenministerin in diesem Amt. Vor vier Jahren war sie die erste Parlamentsabgeordnete, die eine «Moko Kauae» am Kinn trug. Moko Kauae ist eine traditionelle Tätowierung der Māori, der indigenen Bevölkerung von Neuseeland. Das 20-köpfige Parlament von Neuseeland dürfte eines der vielfältigsten der Welt sein. Es besteht aus acht Frauen, fünf Māori und drei LGBT.
«Die traditionelle Übermacht privilegierter älterer weisser Männer im neuseeländischen Parlament ist dahin. Das neue Parlament reflektiert die neuseeländische Gesellschaft viel besser als zuvor.»
Bronwyn Hayward, Politikwissenschafterin von der Canterbury University
Wer ist Nanaiha Mahuta?
1996 wurde Mahuta zum ersten Mal ins Parlament gewählt. Zuvor hatte sie bereits mehrere Ressorts inne wie zum Beispiel das der Ministerin für Kommunalverwaltung und Māori Entwicklung. Gemäss RNZ ist sie mit der verstorbenen Māori-Königin Te Arikinui Te Atairangikaahu und der derzeitigen Māori-Monarchin Kingi Tuheitia verwandt. Die 160 Jahre alte Māori-Königsbewegung, Kīngitanga genannt, geniesst eine bedeutende politische Präsenz in Neuseeland. Auch Rukuwai Tipene-Allen, eine politische Journalistin von Māori Television, trägt eine Moko Kauae. Zu CNN meinte sie, dass die Wahl von Mahuta bedeutend sei.
«Das erste Gesicht, das die Menschen auf internationaler Ebene sehen, ist jemand, der spricht, aussieht und klingt wie eine Māori. Das Gesicht Neuseelands ist indianisch.»
Rukuwai Tipene-Allen
Sie fügt an, dass die Tatsache, dass Mahuta eine Moko Kauae trägt, den Platz der Māori-Kultur auf internationaler Ebene stärkt.
Moko Kauae
Der Legende nach geht der Brauch des Tätowierens, «Tā moko», auf Rūaumoko, dem Māori-Gott der Erdbeben und Vulkane, zurück. Eine mythologische Figur namens Mataoro heiratete Niwareka, die Tochter eines Unterweltherrschers. Nachdem Mataoro sie in einem Wutausbruch geschlagen hatte, folgte er ihr in die Unterwelt, um sie um Vergebung zu bitten. Niwarekas Vater brachte ihm die Kunst des Tā moko bei und tätowierte ihn. Diese sollten in bei der Rückkehr in die «obere Welt» erinnern, böse Taten zu unterlassen. Heute erzählen die Tätowierungen eine Geschichte zwischen den Ureinwohnern und ihren Vorfahren. Jedes Moko ist einzigartig und kann sich auf den sozialen Status, Beruf oder persönliche und familiäre Geschichte beziehen.
«Das Tragen der Zeichen ihrer [Mahutas] Vorfahren zeigt den Menschen, dass es für Māori keine Grenzen gibt und wohin sie gehen können».
Rukuwai Tipene-Allen