Infarm – der vertikale Salatanbau

Salatkopf

Infarm ist ein Start-up-Unternehmen, welches das Vertical Farming seit 2013 in Restaurants und Läden weltweit bekannt macht. Durch diese revolutionäre Art, Agrikultur zu betreiben, wird für jeden Salat 95% Wasser gespart, 75% weniger Düngemittel gebraucht, 90% an Transport und ganze 99% an Platz eingespart.

Die Idee für den Indoor-Salatanbau entsteht in Berlin

 Alles begann im Februar 2013 in einer kleinen Wohnung in Berlin. Während es draussen schneit, schauen drei Israeli YouTube-Videos über Methoden, wie es möglich ist, Kulturpflanzen zu Hause zu züchten. Ein Salat nach dem anderen wird angebaut, eine Methode nach der anderen getestet, unzählige Geschmacksproben werden genommen. Die Unternehmerin Osnat Michaeli und die Brüder Erez und Guy Galonska entwickeln ein System von hydroponischen Bewässerungsrohren. Hydrokultur ist eine Art von Pflanzenhaltung, in der die Pflanzen in einem wassergefüllten Behälter wurzeln. In einem hydroponischen System wird die Sauerstoff-Versorgung der Pflanzenwurzeln optimiert. Schon nach einem Monat herrscht in der Wohnung ein dschungelähnliches Klima. So entsteht Infarm, ein städtisches landwirtschaftliches Hydrokultursystem. Gerade aufgrund der Schlichtheit des Systems, erscheint das Endprodukt noch genialer.

Wie funktioniert das System?

 In einer Vitrine, auf mehreren Ebenen von jeweils zwei Quadratmetern, werden die Pflanzen auf einer Wasserplattform angebaut. Erde wird nicht benötigt. Da die Einheiten miteinander verbunden werden können, ist es möglich, mehrere tausend Quadratmeter von Anbauflächen mitten in der Stadt miteinander zu verbinden. Das entwickelte Industriemodell kann mit einer Fläche von 25 Quadratmetern 680’000 Pflanzen pro Jahr produzieren. Damit ist es 420-mal effizienter als die herkömmliche Landwirtschaft. Das Hydrokultursystem benötigt 95% weniger Wasser und 75% weniger Dünger, die automatische Nährstoffzufuhr ist garantiert.

Die Ökobilanz

Obwohl der grösste limitierende Faktor die Energie ist, fällt die Ökobilanz des Gemüses aus der Vitrine dennoch besser aus als die der regionalen Salatpflanze. Eine Kräuterpflanze aus dem Glasschrank verbraucht vom Anbau bis zur Ernte ungefähr eine Kilowattstunde Strom, was einem CO2-Fussabdruck von 20 Gramm entspricht. Ein regionaler Kopfsalat hingegen verursacht gemäss einer Studie des Instituts für Energie und Umweltforschung Heidelberg 500 bis 600 Gramm CO2. Dieser grosse Unterschied resultiert hauptsächlich aus dem stark verminderten Transport- und Verpackungsbedarf. Beides kann grösstenteils oder teilweise komplett weggelassen werden. Der Salat wird an zentralen Orten in Städten gezüchtet und anschliessend im Restaurant um die Ecke serviert oder im nahe gelegenen Supermarkt verkauft.

Salat

Infarms Potential auf dem Markt

Auch Investoren sind überzeugt, dass Vertical Farming das Potenzial für den Massenmarkt hat. Im Juni 2019 erhielt Infarm 100 Millionen US-Dollar von Europas grösstem Risikokapitalgeber Atomico. Hiro Tamura, Partner bei Atomico, meint dazu:

«Die Lebensmittelsicherheit und die Auswirkungen unserer Lebensmittel auf die Umwelt sind grosse Herausforderungen für unsere Gesellschaft. Wir glauben, dass urbane Landwirtschaft von entscheidender Bedeutung sein wird, um uns auf den Weg in eine nachhaltigere Zukunft zu bringen.» 

Dieses Geld soll vor allem die Expansion nach Asien und in die USA beschleunigen. Bisher hat Infarm bereits in mehreren Ländern Europas sowie in Seattle erste Standorte eröffnet.

Ein Sternekoch führt den Geschmackstest durch

Tim Raue, ein deutscher Michelin-Sternekoch, arbeitet eng mit Infarm zusammen. Frische, wohlschmeckende und aromatische Kräuter sind für ihn unerlässlich. Als er Infarms Produkte testet, beschreibt er den Geschmackstest mit folgenden Worten:

«Der Geschmack, das Aroma war erstaunlich, so klar wie ein Laserschwert. So fokussiert, so konzentriert und so rein. Ich liebte es.» 

Der High-Tech-Salat beeindruckt sowohl durch die Zahlen als auch im Geschmack. Wir sind gespannt, ob Infarm bald auch die Schweizer Landwirtschaft revolutionieren wird.

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